Moderner als alles nachher
"Die WalkŸre" von Richard Wagner
Vorstellung am 17. April 2017 im Gro§en
Festspielhaus Salzburg
Das unter
Herbert von Karajans Inszenierung
von GŸnther Schneider-Siemssen entworfene BŸhnenbild aus dem Jahre 1967
wurde rekonstruiert und siehe da, es ist moderner als alles, was nachher kam,
zumindest was den šsterreichischen Kulturraum betrifft. Die BŸhne wurde
fabelhaft in ihrer Weite ausgenŸtzt. Das ellipsenfšrmige Roundeau
in der Mitte der BŸhne konnte den jeweiligen Stimmungen und Erfordernissen
samt den Hintergrundprojektionen im 2. und 3. Akt entsprechend gut angepasst
werden. Ein Šsthetisch anmutendes BŸhnenbild also, welches das Auge erfreut. Die Regie
von Vera Nemirova
ist keinesfalls stšrend, kommt es doch fast immer ohnehin auf das jeweilige
Temperament der SŠngerin oder des SŠngers an. Da ist von Peter Seiffert, der den Siegmund singt, nicht viel herauszuholen.
Seiffert konzentriert sich darauf, mit seinen WŠlse-Rufen
das Publikum quasi von den Sitzen zu rei§en. Er kopiert Max Lorenz, dessen
nie endenden Rufe man im GedŠchtnis hat. Die Atemtechnik von Seiffert ist
demzufolge erstaunlich; auch was alle anderen hoch liegenden Passagen der
Partie betrifft, klingt sein Tenor makellos. Im tiefen Bereich gibt es
hingegen ziemliche BrŸche. Seifferts Darstellung ist infolge seines Alters
und vor allem seiner Fettleibigkeit alles andere als zufriedenstellend. Er
hat MŸhe beim Niederknien, Aufstehen, Herumlaufen. Ein alter Herr
KammersŠnger dreht seine beschwerlichen Runden. Da kšnnte auch die beste
Regie keine Wunder bewirken, daher ist es sinnlos, Ÿber Frau Nemirova zu motzen. Es ist
schade, dass die Beste aller Sieglinden, Anja
Harteros, keinen ebenbŸrtigen Siegmund zur Seite
gestellt bekam. Denn sie besitzt nicht nur den einzigartig leuchtenden
Sopran, sondern auch ein wunderschšnes Aussehen und zeigt eine glaubhafte
Darstellung. Anja Kampe als BrŸnnhilde steht Harteros
kaum nach. Auch Kampe hat einen tragenden Sopran mit fabelhafter Sicherheit
in der Hšhe und ist Ÿberzeugend in Darstellung. Es ist fast ein Wettbewerb
der besten Sopranistinnen unserer Zeit daraus geworden! Als Hunding zeigt Georg
Zeppenfeld eine mŠchtige Bassbariton-Stimme. Ganz
besonders beeindruckt Vitalij Kowaljow
als Wotan mit seinem vollen, runden, wortdeutlichen Bass. Ein SŠnger, den man
sich merken muss. Auch Christa Mayer in der Partie der
Fricka ist mit ihrem Mezzosopran eine gute Besetzung. Was aus
dem Orchesterraum kam, klang so unsagbar differenziert und herrlich, wie es
vielleicht nur unter Christian
Thielemann zu hšren sein kann. Er ist ein Wagner-Dirigent der allerersten
GŸte. Eines kann man nach diesem Opernerlebnis ganz klar sagen: Die Dresdner
Staatskapelle steht den Wiener Philharmonikern qualitativ um nichts nach. Sie
spielten phŠnomenal gut. Bei Fall
des Vorhangs nach dem 1. Akt schrie das Publikum quasi unisono seine
Begeisterung heraus. Am Ende der Vorstellung heimste die grš§te Begeisterung
Anja Harteros und verdienterma§en Vitalij Kowaljow
ein. Doch auch alle anderen wurden stŸrmisch bejubelt, vor allem Anja Kampe
und Christian Thielemann, sowie auch Georg Zeppenfeld. Diese
AuffŸhrung war ein gewiss unvergessliches Erlebnis. 18. April
2017 Eleonore
Moser |