Die blutigen Hände einer Mutter

Das goldene Vließ

von Franz Grillparzer

Vorstellung am 12. September 2004 im Burgtheater, Wien

Gibt es irgendeinen Grund, der einer Mutter den Kindesmord verzeihen lässt? Wohl nicht, selbst dann, wenn unerträgliches Leid der Mutter geschehen ist. Und trotzdem verurteilt man Birgit Minichmayr als Medea in keiner Sekunde. Man lebt, man leidet, man trauert mit ihr.

Das mag an ihrer Rollengestaltung liegen. Minichmayr ist nicht schön, aber sie hat starke Ausstrahlung. Ihre Stimme bildet mit Belegtheit und Heiserkeit einen bemerkenswerten Kontrast zu der jugendlichen Erscheinung. Besonders berührend die Schilderung des Erwachens ihrer Liebe zu Jason gegenüber ihrem Vater (Michael König).

Michael Maertens verkörpert glaubhaft den schwachen, feigen, nur den eigenen Vorteil im Auge habenden, Jason. Urs Hefti als Freund des Jason erscheint wie immer in seinen Bewegungen als zwielichtig.

Sabine Haupt ist eine schöne, sanfte Kreusa und bildet den interessanten Gegenpart zu Medea.

Durch die allzeitliche Gültigkeit dieses Konfliktes ist es legitim, die antike Handlung in die Gegenwart zu verlegen. Das Bühnenbild von Katja Haß ist einfach und klar. Abgesehen von der Pop-Musik am Beginn, sind die Einfälle von Regisseur Stephan Kimmig durchaus diskret.

Am Ende Applaus und zahlreiche Bravorufe für Minichmayr, die einen unvergesslichen Theaterabend garantiert.

13. September 2004
Eleonore Moser