"Tristan und Isolde" von Richard Wagner

Wiener Staatsoper am 17. September 2023

 

 

Anja Kampe als Isolde - traumhaft in jeder Hinsicht. Ihre Stimme ist sicherer als Martina Serafins Sopran, Kampes Ausstrahlung und Schönheit enorm. Andreas Schager ist sowieso der ideale Tristan. Ich hörte die beiden bereits in Berlin, musste Schager dorthin sowie nach Dresden nachreisen, weil es - dank Meyer - so lange gedauert hat, Schager in einer Wagner-Partie in Wien zu erleben. Die Berliner Tristan-Inszenierung von Tscherniakov ist nicht wesentlich erträglicher als die Wiener Szene von Calixto Bieito. Diese traumhaft exzellenten Sänger haben sich wohl Besseres verdient.

 

Sie müssen hier über die meiste Zeit hindurch völlig unnötig in Wasser waten, sich darin wälzen, so dass ihre Bühnenkleidung triefend durchnässt ist. Ich mache mir große Sorgen um die Gesundheit der SängerInnen, Entzündungen des Bauchraumes sind in einem solchen Falle oft die Folge. Arme Sänger, was die heutzutage an Bürden zu tragen haben! Den Regisseuren liegt die Gesundheit der Sänger natürlich überhaupt nicht am Herzen.

 

Nebenbei gibt es viele Nackte auf der Bühne zu sehen, darin Schwule quasi in Aktion. Was sollte dies? Will man damit eine Art Gehirnwäsche betreiben, dass eigentlich das Schwulsein das „Normale“ ist, also nicht das Heterosein? Ich denke immer wieder an seinerzeit Franz Endlers Überschrift im Kurier (oder noch Presse?): „Schafft den Ponnelle weg!“, was völlig ungerechtfertigt war. Jetzt müsste sich ein Kritiker finden, der schreibt: "Schafft den Bieito weg“. Ja, es ist ein Jammer, eine so traumhafte Konstellation Kampe-Schager in einer solch ärgerlichen Inszenierung zu finden. Ich kann mich nur halbwegs daraus retten, indem ich immer wieder die seinerzeitigen Inszenierungen im Kopf imaginiere und außerdem ganz links in der Loge sitze. Dort sehe ich zumindest die beiden Protagonisten meist sehr gut, das andere ist sowieso zum Vergessen. Das Orchester und den fabelhaften Dirigenten Philippe Jordan sehe ich auch, das ist mir das Wichtigste. Kein einziges Wort, das auf der Bühne gesungen wird, korrespondiert mit dem Bühnengeschehen. Der Regisseur machte halt irgendwas, das ihm gerade einfällt.

Das Publikum würdigte die beiden Helden Kampe und Schager entsprechend mit Bravorufen und wirklich großer Begeisterung. Ohne diese horrible Inszenierung würde ich ein zweites Mal hingehen. 

Regisseure haben es ja fein. Sie geben ihr Werkel ab, kommen gerade einmal bei der Premiere vor den Vorhang, dann vertschüssen sie sich und alle anderen - Sänger, Publikum - müssen damit jahrelang leben. So kann man nicht mal seinen Ärger ablassen. Sänger müssen jedes Mal vor die Bühne und abkassieren - zum Glück meistens Zustimmung. Aber die Regisseure holen sich ihre Buhrufe kein zweites Mal ab.

 

Eleonore Moser

19.9.2023