Ein wirklicher
Heldentenor
"Tristan und
Isolde" von Richard Wagner
Vorstellung an der
Wiener Staatsoper am 12. MŠrz 2017
Die
Inszenierung von David McVicar ist nach wie vor wohltuend normal mit
ansprechenden BŸhnenbildern (Robert
Jones). Leider war die PersonenfŸhrung bereits von Anfang an wenig
packend und daran hat sich nichts geŠndert. Mit Stephen Gould hat man einen solchen
Heldentenor, den man seit Jahrzehnten vermisste. Da ist ein SŠnger, der die
schwierigsten und krŠfteraubendsten Tšne mit einer SelbstverstŠndlichkeit
hebt, dass man vor Ehrfurcht erschauert. Hier ist einer am Werk, um den man
in keiner Sekunde bangen braucht. Seine Mittellage ist rund und tragfŠhig,
seine Hšhe strahlend und krŠftig. Sogar im dritten Akt, in dem fast jeder
Tenor deutlichen KrŠfteverschlei§ erkennen lŠsst, singt Gould in
gleichbleibend hšchster QualitŠt. Da man nicht alles haben kann, muss man auf
Ausstrahlung, Ausdruck, Spielfreude und erotisches Aussehen verzichten. Sein
Wanst wuchs mit den Jahren und erreicht schon Pavarottis Ma§e. Gould denkt
sich wohl: Ihr habt meine Stimme - mehr
kšnnte Ihr von mir wirklich nicht verlangen. Petra Langs Sopran hat StimmschŠrfen und kein
ausgewogenes Legato, sie ist dennoch eine passable Isolde. MŠngel in der Stimme
versucht sie auszugleichen mit outriertem Spiel.
Ihr einigerma§en gutes Aussehen ist ihr anzurechnen. Die
schšne und nobel anzusehende Sophie
Koch als BrangŠne hat einen lyrischen
Mezzosopran; dennoch schafft sie die heiklen Klippen der BrangŠnen-Rufe
mit Anstand. Als Kurwenal beweist Matthias
Goerne, dass ein vornehmlich als LiedsŠnger
beschŠftigter KŸnstler nicht unbedingt geeignet ist, das Forte einer
Wagner-Oper befriedigend zu absolvieren. Kwangchul Youn als Kšnig Marke kann mit seiner vollen Bassstimme
Ÿberzeugen. Nach der
ersten Pause und vor Einsetzen des 2. Aktes gab es deutliche
Unmutsbezeugungen des Publikums gegen das Orchester und den Dirigenten Mikko Franck. Dies war die Folge von
einigen unreinen Tšnen der Hornisten, die im 1. Akt nur die zweite Garnitur
stellten. Im Laufe des Abends fand sich die gewohnte QualitŠt des Orchesters,
in dem vor allem Martin Gabriel
als erster Oboist mit seinem unvergleichlich melancholischen Ton hervorstach.
Auch Matthias Schorn (1.
Klarinettist) spielte in gutem Einklang mit Gabriel, ebenso spielte Norbert TŠubl
die Bassklarinette mit wunderbar sattem Ton. Am Ende
gab es Jubel fŸr Stephen Gould, etwas geringere Begeisterung fŸr Petra Lang,
ziemlich viele Bravos fŸr Sophie Koch und diskrete ZurŸckhaltung bei Mikko Franck. Alles in
allem dennoch ein wunderbarer Abend. 13. MŠrz
2017 Eleonore
Moser |