Erfolg einer Traumwelt

"Die tote Stadt"

Oper von Erich Korngold

Premiere vom 12. Dezember 2004 in der Wiener Staatsoper

 

Die Staatsoper konnte den Erfolg, den die Inszenierung von Willy Decker schon im Sommer bei den Salzburger Festspielen verbuchen konnte, prolongieren. In der Ausstattung von Wolfgang Gussmann gibt es ein einfaches und gefälliges Bühnenbild, das raffiniert in Verwandlungsszenen eingesetzt wird. Die Handlung dieser Oper macht verborgene Sehnsüchte im Menschen offenkundig; es hat wenig mit Nekrophilie zu tun, wenn die verstorbene Ehefrau glorifiziert und geliebt wird, sondern ist eher Ausdruck für die Sehnsucht danach, zu lieben, und dieses Gefühl manchmal sogar leichter der Fiktion einer Figur als deren Realität entgegenzubringen ist.

Dem Regisseur ist die Personenführung gelungen, vor allem, soweit diese Angela Denoke betrifft. Sie zeigte in diesem Werk erneut, welch großartige Schauspielerin sie ist und bewies darüber hinaus auch Mut, in der wenig vorteilhaften Aufmachung mit Glatzkopf zu agieren. Ihren jugendlich klingenden Sopran setzte sie als Marietta effektvoll ein, auch wenn sie in extremer Höhe doch merklich an Grenzen stößt.

Diese Grenze wurde bald auch von Stephen Gould als Paul erreicht. Seine Mittellage ist hörenswert, doch in mancher Höhe klingt sein Tenor gepresst und schmal. Mit Gould tritt nach Botha und Moser ein weiterer korpulenter Tenor im deutschen Fach in Erscheinung. Wo sind die Zeiten, als schlanke und attraktive Tenöre mit großen und unverwechselbaren Stimmen wie Jess Thomas, James King und Jon Vickers um die Gunst des Publikums buhlten?

Bo Skovhus konnte als gut aussehender Frank sowie als Fritz, der Pierrot, seinen lyrischen Bariton gut einsetzen und erweist sich darüber hinaus immer mehr als wirklicher Schauspieler.

Auch die übrigen Partien waren durchwegs rollendeckend besetzt.

Donald Runnicles dirigierte die farbenfrohe, rauschhafte Partitur mit Elan, und das Orchester folgte ihm mit Hingabe.

Viel Applaus, manche Bravorufe, kein Buhruf, also ein Erfolg.

12. Dezember 2004
Eleonore Moser