In der Wiederholung liegt der Reiz

"Tosca" von Giacomo Puccini

Vorstellung vom 18. April 2011 in der Wiener Staatsoper

Es ist doch immer wieder ein Erlebnis, in dieser Inszenierung, die wohl seit mehr als 50 Jahren besteht, die Tosca zu sehen. Man wird sie nie über, denn Wiederholung, gepaart mit Schönheit, bleibt zeitlos.

Vor allem, wenn eine so hervorragende Sängerin wie Barbara Haveman die Floria Tosca singt. Diese zierliche Frau hat ein enormes Forte und gleichzeitig auch ein berückendes Piano. Sie verfügt über ein angenehmes Aussehen und spielt glaubhaft.

Der südkoreanische Tenor Yonghoon Lee hat es als Mario Cavaradossi etwas schwer, mit seiner hervorragenden Partnerin Schritt zu halten. Man muss sich erst an das kehlige Timbre gewöhnen, das asiatischen Sängern anhaftet. Doch sonst ist alles da, was man von einem guten Tenor erwartet, vor allem eine sichere Höhe mit effektvollen Spitzentönen. Dazu gesellst sich ein junger, athletischer Körper und ein auch sonst ansprechendes Äußeres. Es fehlt ihm noch an Persönlichkeit, aber die wird Lee wohl bald hinzu gewinnen.

Alberto Gazale sprang als Ersatz in der Partie des Baron Scarpia ein. Er bewegt sich gewieft, wie man sich dies von einem Unhold vorstellt und zeigt mit seinem Bariton eine solide Mittellage und Tiefe. In höheren Lagen hat er kleine stimmliche Aussetzer, die man einem Einspringer nachsehen muss. In den Nebenpartien beweist Alfred Sramek als Mesner sowohl stimmliche wie darstellerische Präsenz, auch Sorin Coliban als Cesare Angelotti und Hans Peter Kammerer als Sciarrone machen aus den kleinen Rollen große Auftritte.

Michael Halász dirigiert das offenbar motivierte Orchester manchmal etwas schleppend, was vor allem Yonghoon Lee nicht zuträglich ist. Hingegen legt Ernst Ottensamer als 1. Klarinettist in einfühlsamer Weise dem Tenor in dessen großer Arie im dritten Akt einen wundervollen Klangteppich.

Trotz völlig ausverkauftem Haus kam beim Publikum keine echte Stimmung auf, denn es akklamierte nur knapp und zurückhaltend. Es kann eben nicht jeden Abend in einen Begeisterungstaumel geraten.

19. April 2011
Eleonore Moser