Salome

von Oscar Wilde, Nachdichtung: Gerhard Rühm

Vorstellung vom 10. April 2004 im Akademietheater Wien

Alles ist anders, als von der Oper her gewohnt. Jochanaan steht in einem von Wasser gefüllten Trichter statt in einer Zisterne und ist blond statt schwarz. So setzt sich das fort und dennoch ist alles wiederzuerkennen.

Die Premiere wurde von den Kritiken zerzaust. Vorab: Die Aufführung ist nicht so schlecht wie ihr Ruf. Sie hat starke Momente, vor allem im Auftritt des Herodes. Verderbtheit, Zerrissenheit, Feigheit und Dekadenz des Herodes wird packend von Wolfgang Michael dargestellt. Überzeugend in ihrer Grellheit auch Maria Happel als Herodias. Einigermaßen glaubhaft Johannes Krisch, der sogar gegen Schluss so gänzlich die Hüllen fallen ließ und also nackt über die Bühne schritt.

Enttäuschend Caroline Peters als Salome, hier leistete der Regisseur Dimiter Gotscheff nur halbe Arbeit. Peters glaubt man nicht die Salome, man kann Herodes nicht verstehen, warum er sie unbedingt tanzen sehen will.

Das Stück vermittelt nicht die gleiche Wirksamkeit wie die Oper von Richard Strauss und dennoch ist es wert, den Text auch einmal gesprochen zu hören. Er bekommt andere, teilweise neue Facetten. Somit ist der Besuch dieser Vorstellung durchaus empfehlenswert.

11. April 2004

Eleonore Moser