Entbehrliche Neuinszenierung

 

"Otello" von Giuseppe Verdi

Premiere am 20. Juni 2019 an der Wiener Staatsoper

 

Somit ist erbracht, wie Kulturbudgetmittel vergeudet werden. Die vorherige Otello-Inszenierung von Christine Mielitz war so schlecht nicht, dass man sie durch eine neue ersetzen musste. Vor allem dann nicht, wenn man keine außergewöhnliche Sängerbesetzung zur Verfügung hat.

 

Es gefällt die nunmehr neue Inszenierung von Adrian Noble (Ausstattung Dick Bird) zwar besser als die vorangegangene, weil die Bühnenbilder und Kostüme in ihrer italienischen, sogar venezianischen Ästhetik stimmiger sind. Dennoch rechtfertigt dies nicht einen Wechsel.

 

Die beiden Protagonisten Olga Bezsmertna und Aleksandrs Antonenko hat man hierorts schon öfters in ihren Partien Desdemona und Otello gehört. Gewiss sind sie eine gute Besetzung, jedoch der Glanz des Außerordentlichen fehlt.

 

Alexandrs Antonenko hat genug Stimmmaterial, um über alle extremen Höhen souverän hinwegzukommen. Sein Tenor lässt jedoch jegliches Piano vermissen. Die Übergänge werden irgendwie geschafft, jedoch hat er immer wieder gerade in den leisen Passagen mit Schwierigkeiten zu kämpfen.

 

Olga Bezsmertna hingegen legt erneut Zeugnis dafür ab, dass sie über ein inniges Piano und im Forte über einen lupenreinen Sopran verfügt. Eine wirkliche Liebe zwischen den beiden glaube ich ihnen jedoch in keiner Sekunde, daran ändert auch der schon übertrieben lange Kuss von Antonenko vor dem Vorhang am Ende nichts. Ich hatte den Eindruck, dass Bezsmertna dies eher als unerwünschte Zudringlichkeit empfand.

 

Der Bariton Vladislav Sulimsky gibt als Jago zwar ein überzeugendes Debüt, kann jedoch die fehlende Personenführung des Regisseurs nicht verhehlen. Da kommt keine wirkliche Beziehung zwischen den Beteiligten auf.

 

Der Südkoreaner Myung-Whun Chung dirigiert grobschlächtig und fad. Auch ihm ist zuzuschreiben, dass keine wirkliche Spannung aufkommt und das ist gerade bei dieser Oper eher ungewöhnlich. 

 

Am Ende freundlicher Applaus mit zwei Buhrufen vermischt. Bezsmertna bucht den größten Erfolg für sich, auch Sulimsky kann sich der Zustimmung erfreuen.

 

21. Juni 2019

Eleonore Moser