Zwei Opern - ein halber Erfolg

"Osud" von Leos Janácek

"Le villi" von Giacomo Puccini

Premiere in der Wiener Staatsoper am 23. Oktober 2005

Das Gemeinsame dieser beiden Opern besteht darin, dass die Komponisten Zeitgenossen waren. Zwar entstand "Osud" etwa 20 Jahre später als "Le villi", doch in Puccinis Oper sind große Teile der später komponierten Opern "Manon Lescaut", "Tosca" und "La Bohème" enthalten.

Die von David Pountney stammende Inszenierung von "Osud" besticht durch wohltuend einfache Ästhetik des Bühnenbildes (Stefanos Lazidis). Auf einer Drehscheibe inmitten der Bühne spielt sich das wesentliche Geschehen ab, geheimnisvoll umrahmt von silber-weiß und später gelb beleuchteten Vorhängen.

Die autobiographisch angelehnte Handlung wird durch Jorma Silvasti als Zivný tapfer erzählt bzw. gesungen und er wird unterstützt durch Cornelia Salje als Mila Váková. Anja Silja besticht erwartungsgemäß schauspielerisch als Milas Mutter. Zu erwähnen ist weiters Adrian Eröd als Lhotský.

Die Musik ist stellenweise von betörender Schönheit (herrlich die Violinsoli, gespielt von Konzertmeister Volkhard Steude), die Spannung wird dennoch manchmal zu lange gedehnt, so dass Langeweile aufkommt. Leos Janacek scheint der Vorreiter des Minimalismus gewesen zu sein. Simone Young dirigiert mit Sicherheit und lässt trotz hohem Tempo die einzelnen Instrumente in ihren Klangfarben vollauf zur Geltung kommen.

Viel Applaus und kein einziger Buhruf deuten auf einen Erfolg.

Kann man das Bühnenbild von "Osud" als ästhetisch ansprechend bezeichnen, so ist dies von "Le villi" durchaus nicht zu behaupten. Die Inszenierung von Karoline Gruber in der Ausstattung von Johan Engels zeichnet sich durch Kitsch und Hässlichkeit aus. Man hat den Eindruck, als würde die Regisseurin das Werk parodieren wollen. Der banale Inhalt reizt zwar zur Outrage, dennoch bleibt man dem Publikum eine gewisse Ernsthaftigkeit schuldig.

Stimmlich geben Krassimira Stoyanova als Anna sowie Franz Grundheber als Guglielmo ihr Bestes. José Cura als Roberto trumpft mit viel Pathos und tenoralem Glanz auf. Die Sänger retten diese Aufführung.

Die Inszenierung von "Osud" kam beim Publikum gut an, wird jedoch dem Feuilleton nicht gefallen.

"Le villi" fiel beim Publikum durch, und wird vermutlich vom Feuilleton bejubelt.

Für wen wird also Oper gemacht?

Es ist der Direktion positiv anzurechnen, dem Publikum diese beiden durchaus hörenswerten Opern präsentiert zu haben.

24. Oktober 2005
Eleonore Moser