Sie wird immer besser

 

"Macbeth" von Giuseppe Verdi

Vorstellung am 21. Juni 2018 an der

Staatsoper Unter den Linden, Berlin

 

Ist es möglich, dass eine Sängerin immer besser und besser wird? Bei Anna Netrebko trifft es zu, was sie als Lady Macbeth in dieser Neuinszenierung von Harry Kupfer beweist. Sie ist eine extrem ausdrucksvolle und schöne Frau, derenthalben es zu verstehen ist, dass ein Mann wie Macbeth zu allem fähig wird. Ihre tiefen und mittleren Töne sind eine Kostbarkeit für sich, ebenso sind die Spitzentöne an Präzision und Fülle unüberbietbar.

 

Auch ein jüngerer Mann täte wohl alles für diese Lady, dazu bräuchte es nicht diesen "ur"alten Mann wie Placido Domingo. Er kann einem leidtun, denn sein körperlicher Ausdruck verheißt bloß, dass er seine Ruhe haben möchte. Dieses ehrgeizige Weib gönnt ihm aber keine Ruhe, also muss er wohl oder übel parieren. Domingo lässt immer wieder mit seinem bekanntermaßen schönen Timbre aufhorchen, dazwischen gibt es oft Brüche in der Stimme, wie es bei einem beinahe 80-jährigen üblich ist. Dennoch ist er als geriatrisches Wunder zu verstehen, dessentwegen viele Menschen die Oper stürmen, die sich dieses Phänomen nicht entgehen lassen wollen.

 

Harry Kupfers Regie (mit Bühnenbild von Hans Schavernoch) ist wohltuend einfach und bar jeder Selbstbespiegelung eines Regisseurs.  Würden bloß auch andere aktuelle Regieentwürfe von solcher Klarheit gestaltet sein!

 

Kwangchul Youn gibt einen tiefgründigen Banco und Fabio Sartori zeigt leider erneut, wie ein großartiger Tenor heutzutage zum Fleischkoloss wird. Schade um diese herrliche Stimme, denn mit seinem körperlichen Umfang kann man sich ihn kaum in anderen Partien wünschen.

 

Daniel Barenboim dirigiert das Orchester temperamentvoll und bündig, so dass ein massiver Klangrausch entsteht. 

 

Am Ende der Vorstellung gibt es viel Applaus für Netrebko und Barenboim.

 

22. Juni 2018

Eleonore Moser