Lohengrin - wie von Gott gesandt

"Lohengrin" von Richard Wagner

Vorstellung vom 22. Mai 2008 in der Wiener Staatsoper

Die teils spartanische, teils kitschige Inszenierung von Barrie Kosky vergisst man anhand der Sänger-Besetzung, denn diese kann sich sehen und hören lassen.

Da ist Angela Denoke als innige und berührende Elsa, deren Stimme Glockenklang und gleichzeitig enorme Tragweite besitzt. Wie sie die Legatobögen traumhaft sicher vom Piano zum Forte bewältigt, ist erstaunlich. Ihre knabenhaft schlanke Erscheinung führt den Glauben ad absurdum, dass Volumen der Stimme vom Volumen des Körpers abhängig ist. Denoke ist eine großartige Elsa.

Ihr zur Seite ein Lohengrin, wie er dem Märchenbuch entstiegen sein könnte: Klaus Florian Vogt verfügt über eine hünenhaft athletische und große Figur, sowie über kinnlanges volles blondes Haar und ein fein geschnittenes, ebenmäßiges Gesicht. Er scheint tatsächlich von Gott gesandt, wenn man dann noch seine Stimme hört. Sein Tenor überrascht in seiner hellen Färbung, er bewältigt aber auch die tieferen Lagen. Am wohlsten fühlt er sich im Piano, denn Vogt ist ein lyrischer Tenor, der das deutsche Fach singt. In der extremen Höhe wird seine Stimme von leichter Heiserkeit befallen, doch das tut dem phänomenalen Gesamteindruck keinen Abbruch. Er macht seinem Land alle Ehre, denn so wünscht man sich einen Wagner-Tenor - mit diesem Aussehen und dieser Stimme. Wenn die Deutschen einen solchen Tenor hervorbringen, dann sollen sie doch die Fußball-EM gewinnen!

Kwangchul Youn als Heinrich der Vogler weist nicht unbedingt den eines Königs würdigen durchschlagskräftigen Bass auf und bleibt somit eher unauffällig.

Falk Struckmann als Friedrich von Telramund ist der gewohnt dynamische und dämonische Intrigant mit entsprechend ausdrucksstarkem Bariton. Janina Baechle fehlt diese Dämonie, sie bleibt leider in ihrer Pummeligkeit immer etwas hausbacken und zeigt stimmlich in hohen Lagen extreme Schärfe.

Als Heerrufer zeigt Marcus Eiche eine reife, wenn auch nicht herausragende Leistung.

Der Chor (Einstudierung Thomas Lang) ist in seiner Wortdeutlichkeit und Durchschlagskraft zu erwähnen.

Peter Schneider dirigierte souverän, wenngleich es zu Beginn im Orchester an Exaktheit fehlte. Jedoch fanden bald die Streicher unter Konzertmeister Volkhard Steude zu ihrer Höchstform. Martin Gabriel bewies wieder, wie sehr er als erster Oboist unerreichbar bleibt, Ernst Ottensamer, erste Klarinette, ließ hingegen leichte Konzentrationsstörungen erkennen, was auch an dem Fehleinsatz im 3. Akt zu merken war.

Insgesamt war dies ein herausragender Repertoireabend, was auch die Begeisterung des Publikums widerspiegelte. Viel Applaus und Bravorufe für alle Beteiligten, vor allem für Denoke und ganz besonders für Vogt. Hingehen, ansehen, anhören!

23. Mai 2008
Eleonore Moser