Yuppie Jedermann

"Jedermann" von Hugo von Hofmannsthal

Premiere bei den Salzburger Festspielen am 25. Juli 2010

Diesen frömmelnden und sonst langweiligen Stoff kürzte Regisseur Christian Stückl wohltuend, so dass daraus eine fesselnde, kurzweilige Aufführung wurde. Die in Versen zu sprechenden Texte wirken nie künstlich oder gar peinlich. Dazu tragen auch die hervorragenden Protagonisten bei.

Da ist vor allem Nicholas Ofczarek als Jedermann, der einen Yuppie unserer Zeit gibt. Jung, erfolgreich, über Leichen gehend, dennoch auch sympathisch. Er ist ein bühnenfüllendes Ereignis, denn steht er dort, kann man nirgends anders hinsehen. Er fasziniert in jeder Sekunde in seinen Ausbrüchen und in seiner späteren Jämmerlichkeit. Ein sehr körperlicher Jedermann, bei dem man auch versteht, dass ihn die Buhlschaft tatsächlich liebt. Dass sie sich letztlich dem Leben hinwendet, kann man ihr dennoch nicht verübeln.

Birgit Minichmayr als Buhlschaft ist zart in ihrem Aussehen und kräftig in ihrem Innenleben. Die Brüchigkeit ihrer Stimme kontrastiert zu ihrer unschuldigen Sensibilität. Eine völlig andere Buhlschaft, die dem ganzen Treiben mit ihrer Außergewöhnlichkeit einen Höhepunkt setzt.

Als Tod nimmt sich Ben Becker etwas zurück, was der Rolle nicht schadet. Er sollte auch etwas abspecken, denn niemals zuvor hat ein Tod so viel gefressen.

In der Rolle der Guten Werke ist Angelika Richter berührend und komisch zugleich. Peter Jordan als Teufel und guter Gesell sorgt für viele Lacher. Auf diese Weise wird die hohe Anspannung im Publikum etwas gelöst.

Martin Reinke in der nicht viel herzugebenden Rolle als Gott macht seine Sache gut, ebenso Elisabeth Rath als Mutter, die ihren Part ohne viel Pathos vorbringt.

Marlene Poley sorgte für Bühne und Kostüme, sie ist daher für das fabelhafte orangerote Kleid der Buhlschaft verantwortlich.

Ein großartiger, spannungsreicher Abend, der unbehelligt von Regen auf dem Domplatz stattfinden konnte.

Der im Publikum anwesende Niki Lauda wurde von der Presse und den Fotografen mehr als alle Schauspieler und sonstigen Prominenten bestürmt.

So geht es den Jedermännern unserer Zeit.

26. Juli 2010
Eleonore Moser