Jonas Kaufmann war wirklich da
„La fanciulla
del West“ von Giacomo Puccini
Vorstellung vom 11. Oktober 2013
an der Wiener Staatsoper
Der derzeit
weltweit begehrteste Tenor Jonas
Kaufmann war und ist wirklich da. Dass er singt, ist nicht selbstverständlich,
denn gefeiert wie er einerseits ist,
gibt er sich andererseits als Weltmeister im Absagen. Man schaut deshalb
auch am Tage der Aufführung noch etliche Male ins Internet, um sich zu
vergewissern, dass er nicht abgesagt hat. Dann sieht man noch mit Bangen auf
den Abendprogramm-Anschlag der Oper. Auch hier ist er noch angeführt. Bis
zuletzt großes Bangen, bis dann endlich sein Auftritt erfolgt und man erkennt –
ja, er ist tatsächlich da! Sein oftmals auf der Bühne verhaltener Husten lässt
jedoch für die nächsten Vorstellungen Schlimmes erahnen. Ist hier wieder ein
„He has caught a cold“ zu
erwarten? Doch an diesem Abend ist seine Stimme noch ungebrochen strahlend und
zugleich männlich dunkel gefärbt. Nicht nur sein viriler Tenor ist für diese
Partie wie geschaffen, seine durch die Lederkleidung verwegene und attraktive
Ausstrahlung passt genau dazu. Die
naturalistische und zugleich etwas naive Neuinszenierung von „La fanciulla del West“ ist durch die Regie von Arturo Marelli
(Kostüme Dagmar Niefind)
als durchaus gelungen zu bezeichnen. Von Marelli ist
man gewohnt, dass er keine unliebsamen „Ausritte“ in Sachen Regie unternimmt,
was auch hier das Publikum mit Zustimmung belohnte. Die Partie der Minnie erfordert einen hochdramatischen Sopran, deshalb ist
Nina Stemme in dieser Rolle
vermutlich konkurrenzlos. Der Frauenmangel in einem Goldgräberdorf im Westen
der USA war groß, da fand auch eine burschikose, pummelig anmutende Minnie die Chance, einen attraktiven, weltgewandten Dick
Johnson, wie ihn Jonas Kaufmann verkörpert, zu bekommen. Tomasz Konieczny kann als Sheriff Jack Rance
sein schauspielerisches Talent, aber vor allem seinen markanten Bariton zum
Einsatz bringen. Seine Wortdeutlichkeit ist wie immer besonders hervorstechend.
Die männlichen Gegenspieler Konieczny – Kaufmann liefern den Zuschauern ein
spannendes Duell. Alessio Arduini darf in den Rollen Jake Wallace und José
Castro in Erscheinung treten. Wann werden dem auffallend wohlklingenden Bariton
endlich größere Partien anvertraut? In den Nebenrollen
geben Hans Peter Kammerer als Sid, Clemens Unterreiner als Happy und Jogmin Park geschlossen gute Leistungen. Franz Welser-Möst bringt als Dirigent des Orchesters die
zarten, innigen Momente der Partitur effektvoll zur Geltung. In Albena Danailova
als Konzertmeisterin, Harald Hörth, Oboe, Matthias
Schorn, Klarinette, sowie dem gesamten
Orchesterensemble findet er kongeniale Partner. Es ist ein Abend,
der keine Wünsche offen lässt und wird dementsprechend bejubelt. 12. Oktober 2013 Eleonore Moser |