Das ist ein Don Giovanni!

"Don Giovanni" von Wolfgang Amadeus Mozart

Vorstellung in der Wiener Staatsoper vom 22. September 2011

Welch ein neuer Giovanni ist nun zu hören ! Adam Plachetka bietet Stil, Noblesse, Eleganz, Schönheit, Ausdruck und Glaubhaftigkeit wie kaum ein anderer. Seine Baritonstimme hat in dem jugendlichen Alter von 26 schon eine Fülle, seine Darstellungskraft eine Reife entwickelt, die unfassbar erscheinen. Ein Giovanni, bei dem man es sich - im Gegensatz zu den sonst gewohnten - tatsächlich sehr gut vorstellen kann, dass seiner Verführung alle Frauen erliegen.

Die Inszenierung von Jean-Louis Martinoty zeigt ein Bühnenbild von Hans Schavernoch, das 10 Monate nach der Premiere bereits ziemlich veraltet und verstaubt wirkt. Dennoch ziehe ich diese Szene diversen Giovanni-Inszenierungen in Salzburg vor.

Albert Dohmen donnert kraftvoll als Commendatore seine Flüche in den Bühnen- und Zuschauerraum, Myrtò Papatanasiu als Donna Anna zeigt Ausdruck und Gefühl, lässt aber auch scharfe Töne ihres Soprans hörbar werden. Einen gesanglich und darstellerisch braven Don Ottavio liefert Tenor Pavol Breslik, das Debüt von Dinara Alieva als Donna Elvira kann als geglückt bezeichnet werden.

Alex Esposito ist mit seiner famosen Baritonstimme und seinem quirligen Spiel die ideale Verkörperung des Leporello. Als Masetto kann Tae Joong Yang nicht recht überzeugen, hingegen berührt Anita Hartig als Zerlina.

Patrick Lange dirigiert das Orchester mit hörbar guter Differenzierung und Elan. Mit Ausnahme des Fehleinsatzes des 1. Klarinettisten Matthias Schorn gegen Ende des 1. Aktes, sind keine Unkonzentriertheiten im Orchester zu bemerken.

Das Publikum spendet freundlichen Applaus.

23. September 2011
Eleonore Moser