"Billy Budd"
von Benjamin Britten

Vorstellung am 25. März 2004 in der Wiener Staatsoper

Unter keinem guten Stern

stand die mit einer halben Stunde Verzögerung begonnene Aufführung des "Billy Budd". Der vorgesehene Dirigent Donald Runnicles musste sich entschuldigen lassen, weil er mit einem Kreislaufkollaps ins Spital eingeliefert wurde. Offenbar hat sich der allzu viel Beschäftigte nun doch übernommen, und seine Kräfte wehrten sich dagegen.

Eingesprungen für Runnicles war der Dirigent Michael Halàsz und dieser brachte die Aufführung dann routiniert über die Runden.

Die nicht ganz nachvollziehbare Handlung, welche dem Autoritätsgehorsam huldigt, wird durch die effektvolle Musik mehr als wettgemacht. Das gefällige Bühnenbild von Willy Decker hätte er doch nur auf diese Weise den "Tristan" inszeniert lässt den Zuschauer das Bühnengeschehen gerne mitverfolgen.

Als Kapitän Vere beeindruckt Michael Roider in hohem Maße; seine Stimme scheint für diese Partie wie geschaffen und lässt den großen Vorgänger in dieser Partie (Shicoff) sogar vergessen. Russel Braun als Billy Budd überzeugt ebenso in Stimme und Darstellung. Neu in dieser Partie und Luxusbesetzung des Abends war Kurt Rydl als John Claggart. Mit ihm gewinnt die gesamte Aufführung dieser Oper deutlich an Gewicht.

Auch die Besetzung der Nebenpartien war in hohem Maße überzeugend.

Die in dieser Oper besonders geforderten Blechbläser brillierten. Kleine Missverständnisse zwischen Klarinette und Flöte ausgenommen, konnte 1. Klarinettist Ernst Ottensamer einmal mehr seine Virtuosität unter Beweis stellen.

Es war durchaus berechtigt, das Werke mit dieser vokalen Neubesetzungen wieder in den Spielplan zu nehmen.

26. März 2004
Eleonore Moser