"Am Ziel" von Thomas Bernhard

Premiere der Produktion des Landestheater Niederösterreich in St. Pölten

am 21. Oktober 2006

Auf der Bühne einige surrealistische Gemälde, etliche Koffer sowie ein roter Lederfauteuil, auf dem die Mutter sitzt und monologisiert. Maresa Hörbiger verkörpert diese Mutter mit aller Schärfe in Sprache und Gestik. Das Dominanzverhalten gegenüber ihrer Tochter gerät oftmals an die Grenze des Erträglichen, vor allem dann, wenn sie sogar von der Tochter fordert, vor ihr zu knien. Die Mutter kostet die Abhängigkeit der Tochter genüsslich aus.

Das schwache Mauerblümchen von Tochter steht hörig und ausgeliefert im Schatten der starken Mutter, unfähig, eigene Gedanken oder gar ein eigenes Leben zu wagen. Sie hat sich dem trostlosen, aber sicheren Dasein an der Seite der Mutter gefügt. Da taucht ein junger Schriftsteller auf, der ein kleines Aufflackern von Hoffnung in die Augen der Tochter zaubert. Katrin Stuflesser spielt diese Tochter gerade in den Szenen des verhaltenen Schwärmens für den Schriftsteller berührend.

Der Schriftsteller - etwas zu fahrig verkörpert von Matthias Franz Lühn -, mit seiner Karriere gedanklich vollauf beschäftigt, lässt kaum erwarten, die Tochter aus ihrer aussichtslosen Situation zu befreien.

Der Regisseur des Stückes Wolfgang Hübsch setzt auf die Tragfähigkeit der Schauspielerin Maresa Hörbiger. Er strafft den Inhalt ordentlich, was Kurzweiligkeit zur Folge hat. Das führt zu einer kompakten Aufführung, verhindert jedoch das Aufkommen von Zwischentönen und Spannung innerhalb der drei Figuren. Hübsch begnügt sich mit dem grellen Kontrast von Dominanz und Unterwerfung, verhindert aber durch allzu viele Textstriche die wesentlichen philosophischen Erkenntnissen des Stückes.

Insgesamt eine vor allem durch die fulminante Maresa Hörbiger sehenswerte Produktion.

22. Oktober 2006

Eleonore Moser